Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Universalgelehrten. Er prägte maßgeblich die Epochen des Sturm und Drang (in seiner Jugend) und der Weimarer Klassik. Neben seinen literarischen Meisterwerken – die von Gedichten über Dramen bis hin zu Romanen reichen – war er auch als Politiker, Theaterleiter und Naturwissenschaftler aktiv. Seine Werke spiegeln oft das tiefe Streben nach Wissen, die Zerrissenheit des Menschen und die Harmonie zwischen Geist und Natur wider.
Sein erfolgreichstes Werk: „Faust“ (insbesondere Faust I). Goethes unumstrittenes Lebenswerk und das bedeutendste Drama der deutschen Literatur ist „Faust. Eine Tragödie“. Er arbeitete daran mit Unterbrechungen fast sechzig Jahre lang.
Die Handlung: Der Gelehrte Heinrich Faust ist tief deprimiert, weil er trotz intensiven Studiums die letzten Geheimnisse des Universums nicht ergründen kann („dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“). In seiner Verzweiflung geht er einen Pakt mit dem Teufel (Mephisto) ein. Mephisto verspricht, Faust alle Wünsche auf Erden zu erfüllen. Findet Faust einen Moment so schön, dass er verweilen will („Verweile doch! du bist so schön!“), gehört seine Seele dem Teufel.
Die Gretchenfrage: Im Verlauf der Geschichte verliebt sich Faust mit Mephistos Hilfe in das junge, unschuldige Gretchen. Daraus entwickelt sich eine Liebestragödie, aus der auch die berühmte „Gretchenfrage“ stammt: „Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion?“ (heute ein geflügeltes Wort für eine unbequeme Kernfrage nach der Gesinnung).
Der Kern des Werks: Faust ist die zeitlose Parabel auf den modernen Menschen: rastlos, strebend, zwischen göttlicher Vernunft und tierischen Trieben hin- und hergerissen.